Samstag, Februar 10, 2007

DIE WELT.de
Beckenbauers Freund soll Salzburg Olympia bescheren

Umstrittener Sportlobbyist Fedor Radmann als Bewerbungschef für die Winterspiele 2014 verpflichtet

Die Verkündung erfolgte in Abwesenheit. Der Mann, der Österreich als neuer Bewerbungsführer die olympischen Winterspiele 2014 besorgen soll, hatte am Donnerstag Wichtigeres zu tun, als zur Präsentation in der Kandidatenstadt Salzburg aufzutauchen: Fedor Radmann besuchte im Gefolge Franz Beckenbauers Belgrad - und gewann den Organisator der Fußball-Weltmeisterschaft gleich als Olympia-Botschafter.

Mit Beckenbauer bereist Radmann derzeit alle 31 Teilnehmerländer, nicht zuletzt seiner Kontaktfreudigkeit verdankt Radmann den neuen Job. Womöglich arbeitet er schon für die Salzburger, bei Radmann weiß man nie genau. Bei ihm sind die Übergänge so fließend, daß er selbst wohl selten eine klare Linie ziehen könnte: Radmann zählt zu den profiliertesten Sportlobbyisten Deutschlands.

Auch zu den umstrittensten. Seit Willi Daume ihn mit 28 Jahren ins Organisationskomitee (OK) der Spiele von München 1972 lotste, hat Radmann sich ein so dichtes Netzwerk geschaffen, daß zuletzt regelmäßig Filz-Vorwürfe auftauchten, wenn in seinem Umfeld Millionenaufträge zu vergeben waren. Auch im WM-OK mußte der Beckenbauer-Freund aus dem Amt des Vizepräsidenten in die Position des minder repräsentativen Kulturbeauftragten weichen, als diverse heimliche Nebenabreden, die Radmanns Integrität Zweifel aussetzten, ans Licht kamen: ein Beratervertrag mit Kirch, einen ruhenden mit Adidas. Sein Freund und früherer Geschäftspartner Andreas Abold staubte mal die Order zur Kreation eines WM-Logos, mal eine "Service- und Freundlichkeitskampagne" zur WM 2006 ab. "Wenn der Fedor einen kennen lernt, wirst du sofort in sein Netzwerk eingelinkt", sagte Fußballbundpräsident Gerhard Mayer-Vorfelder zur 60. Geburtstagsfeier Radmanns im vorvergangenen September, "und da kommst du nicht mehr raus."

Die Österreicher brauchen dringend einen sportdiplomatischen Experten. Seine Dopingaffäre bei den Spielen in Turin hat dem Land international den Ruf versaut: Mehrere Athleten und Trainer flüchteten nach Razzien der Carabinieri, die Spitzenfunktionäre mühten sich so sehr um den Eindruck der Ahnungslosigkeit, daß Beobachter glaubten, sie persiflierten sich selbst. In die Nähe des Skandals gerückt, trat Salzburgs Bewerbungschef Toni Schutti zurück. Daß die Österreicher sich jenseits der Grenzen um Ersatz bemühten, findet der in Berchtesgaden geborene Radmann "eine logische Geschichte: Ich habe gute Beziehungen zu Österreich, zum Nationalen Olympischen Komitee von Österreich, zum Internationalen Olympischen Komitee und ich war seit 1972 bei allen Spielen dabei: Dadurch habe ich zu vielen IOC-Mitgliedern wirklich gute Verbindungen."

Trotz des chaotischen Jahresanfangs werden Salzburg gute Chancen eingeräumt, im Wettbewerb mit Sotschi/Rußland, Jaca/Spanien, Almaty/Kasachstan, Pyeongchang/Korea, Sofia/Bulgarien und Borjomi/Georgien. Im Juni entscheiden die Olympier, welche Kandidaten im Juli 2007 in Guatemala City zur Wahl stehen.

Radmann soll es richten. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden umschwärmt ihn als "Schwergewicht in der Sportszene": Mit eigenen Augen habe er in Turin bewundert, daß Radmann "viele IOC-Mitglieder persönlich kennt".

Das scheint noch untertrieben: Radmann entstammt der Wiege der Wertewelt von Gefallen und Gegengefallen, von Kungelei mit maximalem Profit. Radmann stammt aus der Schule von Adi Dassler, dem Adidas-Herrscher, der einst so geschickt die internationale Sportpolitik lenkte, daß die mächtigsten Anführer von Juan Antonio Samaranch, Ex-IOC-Präsident, über Joao Havelange, Ex-Weltfußballchef, bis zu Primo Nebiolo, Ex-Welt-Leichtathletikchef, ihm ihre Inthronisierung zu verdanken hatten. Ab 1979 arbeitete Radmann für die Abteilung "Internationale Beziehungen" bei Adidas. Ein auf Dauer dienliches Betätigungsfeld: Auch einer wie IOC-Vizepräsident Thomas Bach durchlief ab 1985 diese Kaderschmiede der Sportdiplomatie.

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